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Zehn Jahre Viagra

Ein Klempner, der blau sieht, Hamster ohne Jetlag und Dauerpower für Piloten: Viagra hat ein ebenso belebendes wie belebtes Jahrzehnt hinter sich.

Als am 27. März 1998 die US-amerikanische Zulassungsbehörde für Medikamente (FDA) das Medikament gegen erektile Dysfunktion zuließ, ging ein Stoßseufzer der Erleichterung durch die Männerwelt. Die Hausmittelchen zur Potenzsteigerung hatten ausgedient, eher martialisch anmutende Gerätschaften wie Penisprothesen oder Spritzen für das beste Stück durften in der Schublade verschwinden. Die Hoffnung auf sexuelle Standfestigkeit trug ab jetzt einen Namen: Viagra. Die blaue Wunderpille war – wie so vieles auf dem Medikamentenmarkt – ein Produkt des Zufalls. Eigentlich sollte das Medikament mit dem Wirkstoff Sildenafil Herzen therapieren. Der Versuch scheiterte. Wirklich potent zeigte sich das Medikament im klinischen Testlauf dagegen unterhalb der Gürtellinie. Der Pharmariese Pfizer wurde hellhörig. „Es war auffällig, dass die Versuchspersonen die Tabletten nach Ablauf der Testphase nicht mehr zurückgeben wollten“, erinnert sich Brian Klee, medizinischer Direktor bei Pfizer. Das Potenzial dieser Nebenwirkung realisierte der Pharmakonzern schnell. In weniger als sechs Monaten gab die FDA das Mittel für den Markt frei. „An den Moment erinnere ich mich noch genau“, sagt Theodor Klotz vom Klinikum Weiden. „Das war für den Mann ein ebenbürtiger Durchbruch wie die Einführung der Pille für die Frau.“ Wenn sich Männer überhaupt wegen ihrer Erektionsprobleme in Behandlung begaben, konnten ihnen Ärzte bis dato nur eine Psychotherapie anbieten. „Danach fiel es den Männern leichter, über ihre Erkrankung zu sprechen, der Großteil war aber genauso impotent wie vorher“, berichtet der Urologe.

Die medikamentöse Lösung dieses Problems bescherte Pfizer im Einführungsjahr ein Profitplus von 27 Prozent. 35 Millionen Männer haben die Tablette bislang nach Angaben des Konzerns legal geschluckt, davon über eine Million in Deutschland – Schwarzmarktzahlen nicht mitgerechnet. Das Geschäft muss sich Pfizer seit 2003 mit Eli Lilly sowie Bayer und GlaxoSmithKline teilen: Levitra (Wirkstoff Vardenafil) und Cialis (Wirkstoff Tadalafil) wirken wie Viagra: Sie verbessern die Durchblutung der Geschlechtsorgane und fördern so eine Erektion. Ihre Besonderheit ist, dass sich nichts tut, wenn Mann nicht will. Die Wirkung setzt erst mit einer sexuellen Erregung ein.

Inzwischen soll nur noch jede zweite Potenzpille auf dem deutschen Markt aus dem Hause Pfizer stammen. Zusätzliche Konkurrenz kommt aus chinesischen Labors, die Plagiate und Plazebos über dubiose Internetshops anbieten. Außerdem rüttelten Negativschlagzeilen über Todesfälle in Zusammenhang mit Viagra und Berichte über Sehstörungen am Thron des Potenzmittel-Pioniers.

26.3.08 16:16
 


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